In Hagen sollen schon ab dem nächsten Schuljahr vier und ab 2012 weitere vier Grundschulen auslaufen. 2016 wären dann acht von 36 Grundschulen geschlossen. Bei einem Schülerrückgang von ca. sechs Prozent landesweit müssten ungefähr 1300 Kinder auf die Nachbarschulen verteilt werden.
Durch diesen gewaltigen Umbau der Schullandschaft auf Kosten der Schulqualität kann jedoch nur ein verschwindend geringer Teil der Schulden der Stadt Hagen abgebaut werden. Das gilt nicht nur für diese Sparmaßnahme, sondern für alle Sparkonzepte, die zurzeit beschlossen werden. Die gesamtmöglichen Sparmaßnahmen reichen nicht einmal aus, um die Schuldzinsen zu bezahlen. Deshalb fordert der DGB ein Moratorium, das heißt eine Phase des Überdenkens und der Entwicklung einer neuen Strategie.
In dieser Zeit müssten Bund, Land und alle betroffenen Kommunen gemeinsam grundlegende strukturelle Verbesserungen erarbeiten, zum Beispiel eine Änderung der Gemeindefinanzierung und eine neue Verteilung des Solidaritätszuschlages. Durch Sparen kann Hagen es nicht schaffen! Im Gegenteil: Durch Sparen schaden wir der Stadt und zerstören Strukturen, die nicht wieder aufgebaut werden können.
Bei den Überlegungen zu Schulschließungen dürfen deshalb nur pädagogische Kriterien ausschlaggebend sein nach dem Motto „Kurze Beine - kurze Wege“ und „kleine Kinder - kleine Klassen“.
Unbestritten ist wohl, dass zu einer Stadt, die junge Familien halten und anlocken muss, Grundschulen gehören, die Kinder ungefährdet selbstständig erreichen können.
Zudem geht es nicht nur um die pädagogischen Rahmenbedingungen der ca. 1300 Kinder, die die nahe Schule verlieren, sondern auch um die Situation der benachbarten Grundschulen, die diese Kinder zusätzlich aufnehmen müssen. In den ersten Schuljahren werden dort dann statt zum Beispiel 22 Kindern 30 Kinder sitzen.
Kaum bedacht ist außerdem der ständig wachsende Raumbedarf an jeder Grundschule durch den offenen Ganztag. Schon jetzt haben etliche Schulen nicht genügend Räume für ihre Ganztagsangebote. Bei Erhalt der Schulstandorte bestünde die Chance, dem erhöhten Raumbedarf wenigstens teilweise gerecht zu werden.
Für den Stadtverband Hagen der GEW
Anne Gevers Naundorf und Roland Krapp