Kann man die Arbeitszeit von Lehrern und Lehrerinnen messen und gerechter verteilen? Dieser Frage ging die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am 22. Januar nach. Vor einem interessierten Publikum aus verschiedenen Schulformen stellte sie Arbeitszeitmodelle aus Hamburg und Minden vor sowie die Erfahrungen, die damit gemacht wurden.
Lehrer und Lehrerinnen arbeiten halbtags, haben jeden Nachmittag frei und dazu noch dauernd Ferien - so denken viele. Lehrer und Lehrerinnen dagegen klagen oft, niemals wirklich mit ihrer Arbeit „fertig“ zu sein, wenn der Unterricht spannend und anregend sein soll, wenn Schüler/innen und Eltern regelmäßig Rückmeldungen zu Leistungen und Verhalten bekommen sollen. Besonders Lehrkräfte mit sogenannten Korrekturfächern, das heißt Kursen mit schriftlichen Klassenarbeiten und Klausuren, arbeiten tagelang – bevorzugt an den Wochenenden und in den Ferien – an ihren Korrekturen, können doch bei schriftlichen Leistungskontrollen in zwei Fächern pro Schuljahr durchaus ca. 1000 Klassenarbeiten zu bewältigen sein.
Die nordrhein-westfälische Landesregierung setzt nun auf neue Arbeitszeitmodelle, das heißt manche Lehrkräfte sollen demnächst mehr, andere weniger arbeiten, um mehr „Gerechtigkeit“ herzustellen.
Die Ausführungen von Dorothee Schäfer lösten eine intensive Debatte aus. Am Ende überwogen bei den Teilnehmern die Zweifel, ob durch Messen und Verteilen mehr Gerechtigkeit erzielt oder ob nicht vielmehr Konkurrenz untereinander erzeugt und in den Kollegien entsolidarisiert wird. Die Arbeitszeit bleibt ein aktuelles Thema, das sicher an den Schulen weiterhin für Zündstoff sorgen wird.